Form und Herstellung von Kettenhemden

Form der Kettenhemden

Bild 1.1 Westminster Psalter, England, ca. 1250 [2]

Bild 1.1 Westminster Psalter, England, ca. 1250 [2]

Zur Beurteilung der Form von Kettenhemden des 13. Jahrhunderts ist man auf Bildquellen angewiesen, da meines Wissens nach kein erhaltenes Exemplar aus diesem Zeitraum existiert das eine diesbezügliche Analyse zulässt. Aus dem 14. Jahrh.

sind einige Kettenhemden erhalten, so dass für diesen Zeitraum die Beurteilung dadurch erheblich vereinfacht und genauer möglich ist.

Für das 13. Jahrh. typische Kettenhemdformen

Bild 2 Maciejowski Bibel, Frankreich, ca. 1250 [3]

Bild 2 Maciejowski Bibel, Frankreich, ca. 1250 [3]

sind in den Bildern [1.1,2] dargestellt. Das Kettenhemd besteht im Wesentlichen aus drei Teilen. Dem Torso, der im 13. Jahrh. wie in den Bilder dargestellt zumeist bis kurz oberhalb der Knie reichte.Den Armen, die zumeist langärmelig, mit angebrachten Handschuhen, waren, aber durchaus auch schon halbärmelig vorkamen, wie Bild [1.2] beweist.Die Haube war im 13. Jahrh. zumeist noch fest mit dem Torso verbunden und konnte zumeist über den Kopf gestreift werden.

 

Für das 14. Jahrhundert ergeben sich im Vergleich einige Änderungen. So scheinen lange Ärmel nicht mehr üblich gewesen zu sein, sondern halbe Ärmel waren der Standard, wie in [12,13,14] beschrieben. Außerdem war die Haube zumeist nicht mehr fest mit dem Torso verbunden, sondern konnte komplett abgenommen werden.

Abmessungen

Bezüglich der Abmessungen von Kettenhemden ergibt sich wiederum die Problematik, dass nur Maße von erhaltenen Stücken aus dem 14. Jahrhundert zur Verfügung stehen. Diese können auf Grund der erwähnten Unterschiede nur bedingt für das 13. Jahrh. herangezogen werden, jedoch ist davon auszugehen, dass sich abgesehen von diesen Unterschieden keine gravierenden Änderungen ergeben haben.

Bild 1.2 Maciejowski Bibel, Frankreich, ca. 1250

Bild 1.2 Maciejowski Bibel, Frankreich, ca. 1250

Zu den Abmessungen wurden drei Arbeiten [12,13,14] von E.M. Burgess ausgewertet. Dieser hat die untersuchten Kettenhemden detailliert beschrieben, dabei jedoch keine Maße angegeben, diese mussten daher aus der angegebenen Anzahl von Ringen bzw. Reihen und dem jeweils für das Hemd ermittelten mittleren Ringdurchmesser berechnet werden. Daher sind die angegebenen Abmessungen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Außerdem sind alle Maße Maximalangaben, also nach maximaler Streckung in der jeweiligen Richtung berechnet, so dass sich diese in der realen Tragesituation durchaus anders darstellen können.

Auffällig sind die doch recht großen Unterschiede beim Torsoumfang. Insbesondere das in Bild 6 dargestellte Hemd muss für eine sehr stämmige und recht große Person gefertigt worden sein.

In Bild 7 ist das in Bild 4 skizzierte Hemd dargestellt.

Bild 4 Skizze nach [12], Italien 14. Jh.

Bild 4 Skizze nach [12], Italien 14. Jh.

Bild 5 Skizze nach [13] unbekannte Herkunft 14. Jh.

Bild 5 Skizze nach [13] unbekannte Herkunft 14. Jh.

Bild 6 Skizze nach [14] Deutschland 14. Jh.

Bild 6 Skizze nach [14] Deutschland 14. Jh.

Bild 7 Kettenhemd Italien 14. Jh. [15]

Bild 7 Kettenhemd Italien 14. Jh. [15]

 

 

Ausführung der Kettenhemden

Europäische Kettenrüstungen des Mittelalters sind aus dem sog. 4-in-1 Kettengeflecht aufgebaut, wobei jeder Ring durch vier andere Ringe geführt ist. In der zeitgenössischen Literatur ([24] und viele andere) gibt es Hinweise auf andere Geflechte, die als doppelte Kettenhemden, „Kings Mail“, oder ähnlich bezeichnet werden. In Bildquellen oder archäologischen Funden gibt es aber meines Wissens nach keine Hinweise darauf, dass andere Typen als 4-in-1 tatsächlich existierten.

Bild 8 Skizzengeflecht

Bild 8 Skizzengeflecht

In Bild 8 ist die grundlegende Form des 4-in-1 Typs dargestellt. Dabei wechseln sich Reihen von Ringen mit Orientierung nach Rechts (hier rot dargestellt) periodisch mit solchen mit einer Orientierung nach links (hier blau dargestellt) ab.

Bild 9 Orientierug des Kettengeflechts im Kettenhemd, Skizze nach [12, 13, 14]

Bild 9 Orientierug des Kettengeflechts im Kettenhemd, Skizze nach [12, 13, 14]

In Bild 9 ist die Orientierung der Kettenringreihen in den ausgewerteten Kettenhemden dargestellt. Die Pfeile entsprechen dabei denen in Bild 8. Der Torso geht somit nahtlos in die Ärmel über. Alle drei ausgewerteten Hemden hatten am Halsausschnitt einen Kragen angesetzt, der aus einem wenige Ringreihen dicken Band bestand, dass einmal komplett um den Halsausschnitt gelegt war. Die Orientierung der Ringe war somit an Front und Rücken parallel zu dem des Torsos, an den Schultern aber um 90° versetzt. Um das Kettengeflecht an den Träger anzupassen, ist es notwendig Erweiterungen oder Reduzierungen des Geflechts vorzunehmen. Je nach Orientierung der Erweiterung/ Verengung im Vergleich zu den Ringreihen kommen dabei verschiedene Techniken zum Einsatz. Ist die Erweiterung/Reduzierung in der gleichen Richtung wie die Reihen, wie dies am Torso der Fall ist, so kommt die Methode der Leerringe (nach E.M. Burgess [8] „idle rings“) zum Einsatz. Ist die Erweiterung/ Reduzierung aber senkrecht zur Richtung der Ringreihen, so kommen die Loch- oder Knoten-Methoden zum Einsatz (nach E.M. Burgess [8] „hole decrease, knot decrease“)

Bild 10 Erweiterung mittels Leering

Bild 10 Erweiterung mittels Leering

In Bild 10 ist die Erweiterung mittels Leerring dargestellt. Dabei wird ein zusätzlicher Ring (hier gelb dargestellt) eingefügt, der somit nur durch drei andere Ringe führt (daher Leerring). Der Ring in den der Leerring zusätzlich eingefügt wurde (hier grün dargestellt) führt nun durch fünf Ringe. Unterhalb des Leerrings wird das Geflecht normal weitergeführt. Dadurch hat sich nun eine Erweiterung um einen Ring ergeben (hier von 4 roten Ringen auf 5). Die Störung im Geflecht durch diese Erweiterung ist minimal und zumeist kaum sichtbar.

Bild 11 Reduzierung mittels Leerring

Bild 11 Reduzierung mittels Leerring

In Bild 11 ist dem entsprechend die Reduzierung mittels Leerring dargestellt. Dabei wird ein Ring (hier grün dargestellt) durch drei Ringe der darüber liegenden Reihe geführt anstatt wie sonst nur durch zwei. Dadurch ergibt sich einer Reduzierung um einen Ring (hier von 6 roten Ringen auf 5).

Bild 12 Reduzierung mittls Loch

Bild 12 Reduzierung mittls Loch

In Bild 12 ist eine Reduzierung mittels Loch dargestellt. Die Orientierung der Ringreihen ist 90° versetzt zu denen in Bild 10 + 11, so wie man es z.B. am Ärmel vorfindet. Bei dieser Methode werden zwei Reihen auf einmal eliminiert, indem diese einfach übersprungen werden. Der hier grün markierte Ring verbindet zwei Reihen miteinander die normalerweise durch drei Reihen voneinander getrennt sind. Dadurch führen die beiden gelb markieren Ringe nur noch durch jeweils drei andere Ringe, wodurch ein kleines Loch im Geflecht entsteht. Burgess [8] vermutet, dass daher diese Methode nur dort angewendet wurde, wo das Kettenhemd nicht so stark sein musste und/oder ein Knoten den Tragekomfort beeinträchtigt hätte.

Bild 13 Reduzierung mittels Knoten

Bild 13 Reduzierung mittels Knoten

In Bild 13 ist die Reduzierung mittels Knoten dargestellt. Auch hier werden wiederum gleich zwei Reihen eliminiert indem der hier grün dargestellte Ring durch fünf Ringe geführt wird und damit zwei Reihen aus blauen Ringen verbindet, die normalerweise durch eine weitere blaue Reihe getrennt sind. Dadurch wird der hier gelb markierte Ring nach oben verschoben und erzeugt einen Knubbel oder Knoten im Geflecht. Diese Methode ist vermutlich stärker als die Loch-Methode und sollte nach Burgess [8] daher dort angewendet werden wo das Kettenhemd stark belastet wird und ein Knoten den Tragekomfort nicht beeinträchtigt.

Bild 14 90°-Verbindung

Bild 14 90°-Verbindung

An einigen Stellen, wie z.B. unter den Armen und am Kragen, ist es notwendig, zwei Geflechtstücke im 90° Winkel miteinander zu verbinden. Die Methode dafür ist in Bild 14 dargestellt. Dabei verbinden die hier grün dargestellten Ringe jeweils ein bzw. zwei Ringe des senkrecht verlaufenden Geflechtes mit einem Ring des waagerecht verlaufenden Geflechtes. Die Abfolge von ein bzw. zwei Ringen am senkrechten Geflecht hängt dabei von der Ringgröße ab und sollte so gewählt werden, dass keine Verzerrungen durch die Verbindung in den Geflechten auftreten.

Analyse existierender Kettenhemden

In den Bildern 15 bis 18 sind die von Burgess [8,12,13,14] untersuchten Kettenhemden dargestellt. Die Positionen der Erweiterungen und Reduzierungen sind markiert. Anhand der Symmetrie der Erweiterungen/Reduzierungen ist es klar ersichtlich, dass bei der Herstellung der Kettenhemden ein klarer Plan vorlag, der allerdings von Hemd zu Hemd sehr unterschiedlich sein konnte.

Allen vier untersuchten Kettenhemden ist jedoch ein grundlegendes Vorgehen gemein. So finden sich zumeist an den Schultern einige Erweiterungen für den Brustkorb. Unterhalb des Brustkorbes bis zur Taille wird der Durchmesser des Hemdes durch einige Reduzierungen wieder verringert, zumeist auf oder sogar unter den ursprünglichen Durchmesser. Unterhalb der Taille sind dann zumeist wieder Erweiterungen eingefügt um die Bewegungsfreiheit der Beine nicht zu beeinträchtigen. Die Ärmel weisen Loch Reduzierungen auf, die jedoch in den meisten Fällen in den Publikationen leider nicht eingezeichnet waren.

_wsb_239x412_Bild+15      _wsb_204x415_Bild+17   _wsb_223x416_Bild+18

_wsb_201x414_Bild+16Bild 15 Skizze nach [13], unbek. Herkunft 14. Jahrh.  Bild 16 Skizze nach [12],Italien 14. Jahrh.  Bild 17 Skizze nach [14],Deutschland 14. Jahr   Bild 18 Skizze nach [8],Deutschland 15. Jahrh.

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Autor: Malte Möller

Quellen:

[8] Burgess, E. Martin Futher research into the construction of mail garments,

The Antiquaries Journal, 1953, 33, pp. 193-202

[12] Burgess, E. Martin The Mail Shirt from Sinigaglia, The Antiquaries Journal xxxvii

(1957), p. 199

[13] Burgess, E. Martin A Mail Shirt from the Hearst Collection, The Antiquaries Journal

xxxviii (1958), p. 197

[14] Reid, William; Burgess, E. Martin A Habergeon of Westwale, The Antiquaries Journal xl

(1960), p. 46

[15] Larking, Guy Francis A Record of European Armour and Arms though Seven Centuries

Vol. II, 1920, G.Bell and Sons Ltd.

[20] Westminster Psalter, England, ca. 1250, British Library, London

[21] Maciejowski Bibel (auch Kreuzfahrerbibel genannt), Frankreich, ca. 1250, Pierpont

Morgan Library, New York

[24] Usâma ibn Munqidh Ein Leben im Kampf gegen Kreuzritterheere, Goldmann Verlag

1988

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Die Rüstung des 13. Jahrhunderts

Auf Grund der Copyright Problematik unterliegt die Arbeit in dieser veröffentlichten Form einigen Einschränkungen bei der Auswahl der verwendeten Bilder. So konnten einige wertvolle Bildquellen aus der zitierten Literatur hier leider nicht dargestellt werden.

1. Kettenhemd

Ruestung Bild 1.1

Bild 1.1 Westminster Psalter, England, ca. 1250 [2]

Das Kettenhemd war die zentrale Rüstung des 13. Jahrhunderts (und natürlich auch schon viel früher). Wie die meisten anderen Rüstungsteile befand es sich in einem kontinuierlichen Entwick-lungsprozeß was seine Form und Herstellung betrifft. Das 13. Jahrhundert über hatte es etwa die Form die in Bild 1.1 dargestellt ist. Im Wesentlichen bestand es aus dem eigentlichen Kettenhemd, das bis etwas oberhalb der Knie reichte. Es war zumeist vorne und hinten geschlitzt um die Bewegung und das Reiten zu erleichtern.

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Kettenringe – Technologie und Herstellung

Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es die verfügbare Literatur zu dem Thema der Herstellung von Ringen als Basis für Kettenrüstungen (wissenschaftlich Ringpanzer genannt) zusammenzufassen und zu vergleichen. Bei der Auswertung der verfügbaren Literatur hat sich leider herausgestellt, dass es praktisch keine Untersuchungen zu Kettenrüstungen des 13. Jahrh. gibt, die auf die Ringe eingehen. Die frühesten Kettenrüstungen die dahingehend in der Literatur untersucht wurden stammen aus dem 14. Jahrh. Daher konnten zumeist nur Vermutungen darüber angestellt werden wie und ob sich die Technologien und Verfahren im 13. Jahrhundert von denen im untersuchten 14. Jahrhundert unterschieden.

Wie üblich erhebt diese Arbeit weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Korrektheit, auch wenn versucht wurde die verfügbare Literatur bestmöglich auszuwerten.
Herstellung des Drahtes

Als wichtigste Grundlage für die Herstellung von Kettenpanzern wird Draht aus Eisen bzw. Stahl benötigt. Hinsichtlich der Herstellungsmethode für diesen Draht hat es einige Diskussionen gegeben. So wurde argumentierte [6], dass bereits alleine das Vorhandensein von Kettenrüstungen Beweis genug ist, dass das Ziehen von Draht bekannt und genutzt wurde. Beim Drahtziehen wird ein Stab durch Ziehen durch einen Ziehstein oder ähnliches Werkzeug, das einen etwas geringeren Durchmesser als der Stab hat so verformt, dass sich sein Durchmesser verringert und die Länge vergrößert. Durch wiederholtes Anwenden dieses Prozesses mit immer geringeren Durchmessern gelangt man vom Stab zum Draht mit dem gewünschten Durchmesser.

Gegen diese Argumentation führt C.S Smith [9] einige technische Gründe und metallurgische Beweise an, so dass es als gesichert angesehen werden kann, dass der Draht für Kettenrüstungen nicht zwingend durch Ziehen hergestellt sein muss. Die von C.S. Smith vorgeschlagen alternative Methode erhält den Drahtrohling durch Abschneiden eines Streifens aus einer Blechplatte. Dieser Rohling kann entweder direkt verwendet werden (wodurch sich rechteckige Drahtquerschnitte ergeben), durch Hämmern oder Feilen leicht verformt werden (wodurch sich unregelmäßige bis halbrunde Querschnitte ergeben) oder zur Endformgebung noch durch einen Ziehstein gezogen werden (wodurch sich halbrunde, ovale oder runde Querschnitte ergeben).

Metallurgie des Drahtes

Zur Metallurgie des für Kettenhemden verwendeten Drahtes wurde drei Arbeiten ausgewertet (A. Williams [5], C.S. Smith [9], V. Vegard [16]).

Diese haben jeweils einige Proben von Ringen die ihnen zur Verfügung gestellt wurden auf ihre metallurgische Beschaffenheit hin untersucht.

Leider ist in den ersten beiden Veröffentlichungen jeweils nur eine Probe aus dem 14. Jahrh. ausgewertet worden, was Aussagen über die Qualität des in dieser Zeit verwendeten Drahtes bzw. Rohmaterials sehr schwierig macht.

Unter Berücksichtigung des generellen zeitlichen Trends in Bezug auf Härte und verwendetem Material lässt sich vermuten, dass im 14. Jahrh. hauptsächlich Schmiedeeisen mit nur lokalem Stahlanteil zum Einsatz kam. Das Material wurde durch Abschrecken gehärtet, wobei dies bei dem geringen Stahlanteil nur einen bedingten Effekt hatte.

Dies schließt natürlich nicht aus, dass vereinzelt auch deutlich höherwertiges Material verwendet wurde, nur liegen darüber in den hier ausgewerteten Quellen keine Informationen vor.

Das selbst im 16. Jahrh. noch Material mit gleich schlechter Qualität vorkommt, kann weder als Hinweis für oder gegen diese Deutung dienen.

Es soll natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass durchaus auch Ringe aus anderen Metallen als Eisen bzw. Stahl vorgekommen sind. So haben die in den Quellen [12,13,14] untersuchten Kettenhemden alle eine Verzierung aus Messingringen. Bei den Ausgrabungen in Visby [1] sind auch Ringe aus Bronze gefunden worden.

Auf Grund der geringeren Festigkeit dieser Metalle ist davon auszugehen, dass Ringe daraus nur als Verzierung an unkritischen Stellen verwendet wurden.

Auch wenn alle betrachteten Proben aus dem 10. oder dem 14. Jahrhundert und später stammen, gibt es keine Anhaltspunkte die darauf hindeuten, dass sich der Drahtquerschnitt im 13. Jahrh. von diesen deutlich Unterschieden hat (allerdings gibt es wie so häufig auch keine Beweise dafür, dass der Querschnitt gleich war). Ein zeitlicher Trend in den Drahtquerschnitten lässt sich Anhand der vorhandenen Proben nicht erkennen.

Somit ist davon auszugehen, dass der übliche Drahtquerschnitt im 13. und 14. Jahrh. im Allgemeinen eher eckig, ansonsten (halb)rund bis oval war.

Drahtdurchmesser

 

Die Anzahl der hinsichtlich der Drahtstärke ausgewerteten Kettenhemden lässt eine gültige Aussage zu den üblichen Drahtdurchmessern eigentlich nicht zu. Wie in der Tabelle dargestellt, sind an den Fundstücken Durchmesser von 0,5 mm bis 2,9 mm gemessen worden. Die allermeisten Werte liegen aber im Bereich von 0,8 mm bis 1,5 mm, wobei Stärken von über 2,0 mm vermutlich die Ausnahme waren.

Interessant ist, dass die Drahtstärke an den Ärmeln der beiden daraufhin untersuchten Kettenhemden generell etwas kleiner war als am Rumpf. Es wäre denkbar, dass dies mit Absicht so gemacht wurde um die Beweglichkeit der Ärmel zu erhöhen, es könnte aber auch durch erhöhten Verschleiß (Abrieb) der Ringe an den Ärmeln erklärt werden.

Der Drahtdurchmesser der geschlossenen Ringe scheint im Durchschnitt etwas größer als der von vernieteten Ringen in der gleichen Probe zu sein.
Herstellung der Ringe
Vernietete Ringe

Die grundlegende Herstellungsweise von vernieteten Ringen ist bereits vielfach beschrieben worden [6,15, u.a.], daher wird hier nicht näher auf die Grundlagen eingegangen.
Der Ablauf bei vernieteten Ringen ist wie folgt (siehe auch Bild 1):

Bild 1

Bild 1

Wickeln des Drahtes um einen Stab o.ä. (A)
Abschneiden der einzelnen Ringe
Überlappen der Ringe (B)
Abflachen der Überlappung (C)
Einbringen der Nietlöcher (D)
Vernieten (E-G)
Hinsichtlich der für den Herstellungsprozess verwendeten Werkzeuge und Hilfsmittel gibt es eine anhaltende Diskussion, die meines Erachtens auch nicht abschließend geklärt werden kann, da die vorhandenen Proben keine bis wenig Anhaltspunkte in dieser Sache liefern und die ersten graphischen Quellen dazu aus dem 15. Jahrh. stammen.
Hinsichtlich der Überlappung ist interessant, dass bei den in den Quellen [12-14, sowie 1, Seite 111] untersuchten Ringen die Überlappung des Drahtes entgegen des Uhrzeigersinns erfolgte (wie in Bild 1 B-E dargestellt). [16] geht davon aus, dass praktisch alle mittelalterlichen Kettenringe so hergestellt wurden.

Bei Probe 4 (16. Jahrh.) aus Quelle [9] wurde festgestellt, dass die Überlappung durch Zurückklappen des Drahtes verstärkt wurde (siehe Bild 1, I und J). Bei anderen Proben wurde dies jedoch nicht gefunden.

In [16] wird die Theorie aufgestellt, dass die Überlappung nicht nachträglich erfolgte, sondern die Ringe direkt mit der Überlappung von der Wicklung abgeschnitten werden.
Nach [9] erfolgte das Einbringen der Nietlöcher bei allen untersuchten Proben mittels eines Stempels der durch die abgeflachte Sektion hindurch getrieben wurde. Das Bohren der Löcher erfolgte in keinem der Fälle. Dies wird in [16] bestätigt.
Zur Vernietung gibt es einige metallurgische Erkenntnisse. Probe 7 (15./16. Jahrh.) aus Quelle [5] wurde anscheinend unter Erwärmung vernietet. Bei den anderen Proben, insbesondere früherer Herstellung, wurde dies nicht festgestellt, daher ist davon auszugehen, dass die anderen Ringe im kalten Zustand vernietet wurden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch [9].

Auf Grund der großen Verformung (Abflachung) die die meisten Nietenköpfe aufweisen, geht [9] davon aus, dass die Nieten mit einem Hammer oder ähnlichem vernietet wurden und nicht langsam mittels Zange o.ä.

[16, 18] hingegen haben vorwiegend runde Nietenköpfe gefunden und gehen daher davon aus, dass die Vernietung mittels eines Werkzeugs (siehe Bild 1 G) erfolgte.
Die Nieten in den Quellen [12-14] sind flach und keilförmig, daher vermutlich aus einem Metallstreifen herausgeschnitten. Die von [9] untersuchten Nieten sind zumeist flach und rechteckig.

Bild 1: Stadien der Ringherstellung [15]
Geschlossene Ringe

Bei geschlossenen Ringen gibt es zwei mögliche Herstellungsmethoden. Das Verschweißen von Drahtringen und das Ausstanzen aus Blech.
Verschweißen:

Wickeln des Drahtes um einen Stab o.ä. (A)
Abschneiden der einzelnen Ringe
Überlappen der Ringe (B)
Verschweißen der Überlappung
Evtl. korrigieren der Ringform

Auffällig ist, dass die Überlappung bei den verschweißten Ringen zumeist deutlich größer ist als bei den vernieteten. Die Überlappung reichte von 180° [10,11] bis zu 2-3 kompletten Umrundungen [9].

Um die verschweißten Ringe nach dem Verschweißen wieder in Form zu bringen wurden diese anscheinend gefeilt oder anderweitig abgetragen [9]. Ein Schmieden der Ringe in die endgültige Form konnte von [9] metallurgisch nicht festgestellt werden. Genau so ein Vorgang wird aber in [11] vermutet.

Generell scheint es aber so zu sein, dass die verschweißten Ringe trotz der anschließenden Formgebung zumeist eine unregelmäßigere Form haben als die vernieteten Ringe [9, 11]. Durch die Abweichungen der Ringdurchmesser [12-14] kann dies nicht bestätigt werden.

Metallurgische Untersuchungen an leider nur einem Ring aus den Funden von Birka [18] aus dem 10. Jahrh. deuten auch auf ein Verschweißen hin.
Stanzen:

Ausstanzen des Innenkreises aus Blech (L)
Bearbeitung der Außenseite um eine runde Form zu erhalten (M, N)

Alternativ ist es auch denkbar, dass der Ring durch einen zweiteiligen Stempel oder durch zwei Stempel nacheinander vollständig aus dem Blech gestanzt wird.

Die Bearbeitung der Außenseite kann nach [16] durch Abtragen (schneiden, feilen, etc.) erfolgen oder auch durch Umformen (hämmern).
Ob das Ausstanzen von Ringen aus einem Blech gleichzeitig, früher oder später als das Verschweißen eingesetzt wurde, lässt sich Anhand der Untersuchungen nicht sagen.

Von den in [9] untersuchten Ringen wurden nur zwei Proben von Ringen türkischer Herkunft aus dem 17. Jahrh. durch Ausstanzen hergestellt. Allerdings stellt [16] diese Auswertung von [9] in Frage, ohne jedoch konkrete Anhaltspunkte dafür zu liefern. Er geht davon aus, dass das Ausstanzen der Ringe die üblichere oder sogar einzige Methode zur Herstellung geschlossener Ringe war. Vielleicht deuten diese Abweichungen aber auch auf geographische Unterschiede in der Herstellung hin. So sind die in [16] untersuchten Ringe vermutlich skandinavischer Herkunft, während in [9] vorwiegend mitteleuropäische Ringe untersucht wurden (sofern die Herkunft überhaupt bekannt ist).

Da für diese Analyse eine zerstörende Prüfung notwendig ist, wurden viele Kettenrüstungen noch nicht daraufhin untersucht, z.B. [12,13].
Die Nummern 1, 2?, 5, 6, 7 und 10 aus Tabelle 4 weisen in abwechselnden Reihen vernietete und geschlossene Ringe auf, während die Nummern 8 und 9 vollständig aus vernieteten Ringen bestehen.
Ringdurchmesser
Der Außendurchmesser der Ringe der Quellen ist in der Tabelle dargestellt. Bei den Funden in Visby [1] wurden Ringe mit einem Außendurchmesser von 4 bis 17 mm gefunden, wobei die Bronzeringe im Allgemeinen eher die sehr kleinen Durchmesser aufwiesen. Die Mehrheit der gefundenen Ringe hatte einen Durchmesser von 8 bis 10 mm.

Die in Birka [18] gefundenen Ringe weisen eine große Spanne an Durchmessern auf, wobei jedoch zwei Bereiche am häufigsten sind: 8,5 bis 9,5 mm und 11,1 bis 12,0 mm, leider wurde dabei nicht zwischen vernieteten und geschlossenen Ringen unterschieden.

Unter Berücksichtigung der Abweichung ergeben sich somit (bei Nicht-Berücksichtigung der Funde von Visby) Ringdurchmesser von 10,8 bis 15,4 mm. Die meisten Ringe liegen aber im Bereich von 12 bis 13 mm.

Bemerkenswert ist die teilweise hohe Präzision der Ringe. Abweichungen von teilweise nur ±0,1 bis 0,2 mm auch bei vernieteten Ringen zeugen von der hohen Präzision der Fertigung. Allerdings lässt die geringe Stückzahl der gemessenen Ringe natürlich keine gesicherte Aussage dazu zu.

Autor: Malte Möller

Quellen:
[1] Thordeman, Bengt Armour from the Battle of Wisby 1361, 2001, Chivalry Bookshelf
[4] Kohlmorgen, Jan Der mittelalterliche Reiterschild, 2002, Karfunkel Verlag
[5] Williams, Alan The Manufacture of Mail in Medieval Europe: A Technical Note, Gladius,
1980, 15, pp. 105-134
[6] Burgess, E. Martin The Mail-Maker’s Technique, The Antiquaries Journal, 19

53, 33,
pp. 48-55
[8] Burgess, E. Martin Futher research into the construction of mail garments,
The Antiquaries Journal, 1953, 33, pp. 193-202
[9] Smith, Cyril Stanley Methods of Making Chain Mail (14th to 18th Centuries): A
Metallographic Note, Thechnology and Culture, 1:1 (1959) p. 60
[10] Burgess, E. Martin A Reply to Cyril Stanley Smith on Mail Making Methods, Technology
and Culture, 1:2 (1960) p.151
[11] Smith, Cyril Stanley Reply to Mr. Martin Burgess on Mail-Making Methods, Technology

and Culture, 1:3 (1960) p. 289
[12] Burgess, E. Martin The Mail Shirt from Sinigaglia, The Antiquaries Journal xxxvii
(1957), p. 199
[13] Burgess, E. Martin A Mail Shirt from the Hearst Collection, The Antiquaries Journal
xxxviii (1958), p. 197
[14] Reid, William; Burgess, E. Martin A Habergeon of Westwale, The Antiquaries Journal xl
(1960), p. 46
[15] Larking, Guy Francis A Record of European Armour and Arms though Seven Centuries
Vol. II, 1920, G.Bell and Sons Ltd.

[16] Vike, Vegard Ring weave – A metallographic analysis of ring mail material at the
Oldsaksamlingen in Oslo, Semesterarbeit Universität Oslo, Mai 2000,
http://www.vikingsna.org/translations/ringweave.pdf
[17] Bach, Detlef Restaurierungsbericht – Konservierung und Untersuchung eines
mittelalterlichen Kettenhemdes, Winterbach, 25.6.04, http://www.debach.de/ketten.htm
[18] Beatson, Peter Mail from the ‚Garrison’ of Birka – A Review of recent Research, Birka
Traders 2008, http://members.ozemail.com.au/~chrisandpeter/mail/birka_mail.htm
[19] Burgess, E. Martin; Robinson, H. Russel A 14th-century mail hood in the Royal Scottish Museum, Edinburgh

Journal of the Arms and Armour Society, Vol II Nr 3,

p. 59-65,1956