Infanterie-Regiment „Kurprinz in Bayern“

Infanterie-Regiment „Kurprinz in Bayern“, ein Recherchetagebuch

Stand: folgt noch weil ich gerade dabei bin, dass was ich schon weiß hier niederzuschreiben. Wenn hier also noch was fehlt kann das entweder daran liegen, dass ich das noch nicht geschrieben habe oder aber es liegt daran, dass ich es noch nicht weiß. Ihr wisst, dass Zweiteres der fall ist wenn hier ein Datum steht und nicht dieser elendig lange Platzhalter.

Inhalt

  1. Vorwort
  2. Der Recherchestand zum Regiment an und für sich
  3. Der Recherchestand der Uniform und Utensilien
  4. Der Recherchestand zur Gliederung der einzelnen Regimenterund deren Rangordnung im und um den Siebenjährigen Krieg

 

  1. Vorwort

Warum das Regiment „Kurprinz in Bayern“. Ganz einfach, wir kommen aus Amberg in der Oberpfalz. Als solche haben wir gerne regionalen und Lokalen Bezug. Das Infanterie-Regiment „Kurprinz in Bayern“ war vor, während und nach der Beteiligung teilweise bis ganz in Amberg stationiert bis es 1764 ganz nach Straubing ausgelagert wurde. Außerdem war es eines der Regimenter, dass den „Pflichtteil“ für Österreichs Krieg stellte und an Kämpfen teilgenommen hat bis Bayern ganz aus dem Kriegsgeschehen ausschied.

2. Der Recherchestand zum Regiment an und für sich

Über das Regiment an sich ist genug bekannt um eine Linie zu erkennen. Der Inhaber war der jeweilige Kurprinz. Der Name wurde am 12. Februar 1742 in „Kronprinz“ geändert als Kaiser Karl VII. den Thron zum Kaiser gekrönt wurde was am 28. August 1753 wieder per erlass rückgängig gemacht wurde. Außerdem wurde mit diesem Dekret die Stärke von bisher drei auf zwei Bataillone vermindert. Diese umfassten jeweils vier Füsilier-Kompanien und eine Grenadier-Kompanie. Aus dem Rest wurde das Holnsteiner-Regiment gebildet. Zum Zeitpunkt des erlasses lag das Regiment verteilt in Stadtamhof und Amberg und wurde am 20. Juni 1756 mit einem Bataillon und dem Stab in Amberg stationiert während das zweite Bataillon nach Rothenberg ging, ab Februar 1757 komplett nach Amberg verlegt wurde und von dort aus ein Feldbataillon im Dienst des Auxiliar-Korps auf österreichischer Seite und wurde hierfür mit dem Regiment „von Preysing“ zusammengelegt.

Teilnahme am Siebenjährigen Krieg

Im Oktober war das Regiment an der Belagerung und Einnahme von Schweidnitz beteiligt. Hier war wohl ein preußisches Bombardement und eine Attacke der Grenadiere gegen die österreichische Artillerie hauptbestandteil dessen gegen was sich das Feldbataillon erwehren musste. Am 22. November nahm es teil an der Schlacht von Breslau und am 5. Dezember bei der Schlacht von Leuthen teil. Hier wurde das Bataillon, zusammen mit der linken Flanke von den Preußen in die Flucht geschlagen.

Im Mai 1758 wurde wohl das zweite Bataillon nach Amberg zurück beordert, nachdem im April entschieden wurde, dass das erste Bataillon abrücken, vom zweiten jedoch eine Füssilier- und eine Grenadierkompanie verbleiben müssten, welche wohl während der Belagerung von Olmütz die Preußen unter hohen Verlusten von 100 Mann in den Kompanien zurückschlagen konnten.

Ausscheiden aus den Kriegshandlungen und Verbleib

Im August 1758 kehrte es über Schärding, dann Straubing nach Amberg zur Auffrischung zurück wo es am 1. September eintraf. Die Mannschaften innerhalb des Feldbataillons wurde mit Männern aus den Bataillonen ausgeglichen. Die Zahl der Rückkehrer betrug gerade mal 400 Mann insgesamt. Das Regiment verblieb in Amberg und nahm an keiner kriegerischen Aktivität während des Siebenjährigen Krieges mehr teil.

In der Folgezeit wurde das Regiment immer wieder geteilt in Ingosltadt, Rothenberk und Neumarkt stationiert und erst stückweise im Mai 1759 und dann am 1. März 1760 komplett nach Amberg verlegt. Dies blieb bis 1764 der Fall als das Regiment nach Straubing ging.

3. Der Recherchestand der Uniform und Utensilien

Der Recherchestand zu der Uniform ist etwas unefreulicher. Während meiner Recherche zu Uniformen im Siebenjährigen Krieg fand ich erfrischend viele Abbildungen zu deutschen Uniformen zu dieser Zeit und sogar etliche Kopien von Originalschriften die keinen anderen Zweck als die Auflistung und Abbildung der Farben preußischer, österreichischer ja sogar würtembergischer Uniformen hatte. Auch ältere Uniformsammlungen 100 Jahre später konnte ich ausfindig machen von diesen Armeen. Von allen, nur nicht der Bayerischen. Das machte mich etwas stutzig und auf Anraten eines Bekannten kontaktierte ich das Armeemuseum Ingolstadt welches mir geantwortet hat mit dem Vermerk, dass man sich mit mir im November in Verbindung setzen werde, was mich sehr freut da ich mir hier – vor allem von der Fachkompetenz her – die besten Chancen ausrechne, dass etwas Stichfestes bei der Sache heraus kommt.

Des weiteren gibt es nur drei Quellen die eines gemeinsam haben. Es handelt sich um Miniaturfiguren-Seiten. Zwei deckensich in der Uniformbeschreibung, eine weicht bei den Farben der Hose und Weste von weiß in gelb ab. Außerdem hat keine Seite Quellenangaben welche Rückschlüsse auf deren Rechercheweg geben würden. Ich neige momentan den beiden sich in ihrer Aussage deckenden Seiten eher Glauben zu schenken, da ich über Umwege herausfinden durfte, dass die von der dritten Seite verwendeten Uniformfarben die des Regiments „von Morawitzky“ ähnelt.

Um hier mal endlich Ordnung rein zu bringen werde ich ab hier mal die Quellen zueinander stellen und farblich markieren:

  1. Quelle: Kronoskaf

Link: http://www.kronoskaf.com/syw/index.php?title=Kurprinz_Infantry

Uniformplatte Quelle Kronskaf.jpg

Quellenangaben

Miniatures.de
„Die Reichsarmee 1757 – 63 I. Teil“ von Boehm E., Rottgardt D.
„Die Reichsarmee 1757 – 63″ II. Teil“ von Boehm E., Rottgardt D. Weirich W-D.
„Historische Uniformen Vol. 2 von Funken Liliane und Fred
„Die Heere der kriegsführenden Staaten 1757 – 1763“ von Schrimer Friedrich
„Geschichte des kurbayerischen Heeres unter Kurfürst Karl Albrecht – Kaiser Karl VII. und Max III. Hoseph 1726 – 1777 (Geschichte des Bayerischen Heeres 3) von Staudigner Karl

2. Quelle: Miniatures.de

Link: http://www.miniatures.de/bavarian-infantry-regiment-kurprinz-in-bayern-1756.html

Uniformplatte Quelle Miniatures.jpg

Quellenangaben

„Geschichte des kurbayerischen Heeres unter Kurfürst Karl Albrecht – Kaiser Karl VII. und Max III. Hoseph 1726 – 1777 (Geschichte des Bayerischen Heeres 3) von Staudigner Karl
„Geschichte der Entwicklung der bayerischen Armee seit zwei Jahrhunderten (1618 – 1818)“ von Münich, Friedrich, Neudruck von 1864
„Handbuch der Uniformkunde“ von Knötel-Sieg

 

 

3. Quelle: Baccus6mm.com

Link: https://www.baccus6mm.com/includes/howto/syw/bavaria/infantry_bavaria.php

Uniformplatte Quelle baccus6mm.jpg

Quellenangaben

keine, nur vermerk, dass die Quellen englisch und/oder sehr einfach zu finden sind im Netz

 

 

 

 

 

Analyse der Quellenangaben:

a) „Geschichte der Entwicklung der bayerischen Armee seit zwei Jahrhunderten (1618 – 1818)“ von Münich, Friedrich, Neudruck von 1864

Auf Seite 89 wird beschrieben, dass bis 1748 die Hosen aller Regimenter blau gewesen wären und das eben in diesem Jahre für Hose und Kamisol auf gelb geändert wurde. 1770 wurde die Farbe von Weste und Kamisol auf weiß geändert. Die Quelle ist zwar auch eine Sekundärquelle, allerdings ist der Autor ein gewisser Friedrich Münich welcher als Hauptmann im 1. Infanterieregiment diente. Es ist zu prüfen wann damit einszuschätzen ist wie nahe er am Zeitraum 1750 – 1760 dran war.

So oder so. Während Kronskaf die Hosen und Westen gelb darstellt, diese Quelle aber nicht hat scheint Miniatures.de dies überlesen zu haben oder zu ignorieren.

 

Rechercheanmerkung: ein Freund hat mir jüngst nebenbei erzählt,  dass er durch Zufall bei „Kunst und Krempel“  gehört hat,  dass es bei den Preußen eine Verordnung gab,  dass das wichtigste Regiment versilberte Messingknöpfe hatte und der Rest einfache Messingknöpfe. Das würde erklären warum bei allen oben genannten Quellen das Leib Regiment „weiße“  Knöpfe hat und der Rest „Gelbe“ und dies somit ratifizieren.  Es ist zu prüfen ob eine solche preußische Verordnung als auch eine Bayerische Übernahme dieser Regel zu finden sind.

4. Der Recherchestand zur Gliederung der einzelnen Regimenter und deren Rangordnung im und um den Siebenjährigen Krieg

Das Regiment besteht aus zwei Bataillonen. Ein Bataillon hat 5 Fusilier- und eine Grenadier-Companien. Die Regimenter unterteilt man in 4 Divisionen, diese wieder in Halbe Divisionen (Pelottons)

Auflistung der einzelnen Ränge mit Besonderheiten in Ausrüstung und Uniform:

Der Stab wird unterteilt in:

  • Großen Stab mit einem Obristen, einem Obrist-Lieutnant und zwei Obrist-Wachmeistern
  • Kleiner Stab mit einem Regiments-Quartiermeister, einem Feldpater, einem Auditor zu zwei Regimentern, zwei Adjudanten, einem Regiments-Feldscherer, einem Wagenmeister, einem Regiments-Tambour, (6 Hautbois), einem Zimmermeister und einem Profos nebst Steckenknecht

Die Grenadiercompagnie besteht aus:

  • 1 Hauptmann
  • 1 Ober-Lieutnant
  • 1 Unter-Lieutnant
  • 1 Feldwebel
  • 4 Corporals
  • 1 Pfeiffer
  • 3 Tambours
  • 8 Gefreiten
  • 77 Gemeine
  • 1 Zimmermann

100 Mann

Eine Füseliercompagnie besteht aus:

  •  1 Hauptmann
  • 1 Lieutnant
  • 1 Fähnrich
  • 2 Feldwebel
  • 6 Corporals
  • 1 Pfeiffer
  • 3 Tambours
  • 12 Gefreite, darunter 1 Zimmermann mit Grenadier-Mütze
  • 2 Fourier-Schützen
  • 109 Gemeine

In der Summe: 140 Mann

Die Auflistung der einzelnen Ränge und deren Besonderheit in der Ausrüstung, Pflichten und Rechten von unten nach oben gegliedert

  • Gemeiner:  ist mit einer Muskete auszurüsten, deren Ladestock nicht aus Holz oder Eisen sondern aus gutem Stahl zu sein hat um zu verhindern, dass dieser sich verbiegen kann; außerdem haben sie Bajonette;
  • Gefreiter:
  • Zimmermann: hat eine Grenadiermütze zu tragen und erhält anstatt der krummen Säbel, wie die Grenadiere, einen kurzen Pallasch
  • Pfeifer: hat eine kleine Pfeiffe für den Marsch und eine Größere für das Übrige. Der größte der Pfeiffer hat eine große Pfeiffe und ebenfalls eine Grenadiermütze; dieser Dient bei der Grenadier-Compagnie, alle erhalten einen kleinen Pallasch
  • Corporal: sind mit Musketen und Bajonetten, sowie zusätzlich mit gleichförmigen Degen mit steifer Handklinge auszurüsten; dazu Stöcke aus Haßelnuss- oder ähnlichem Holz welche nicht dicker zu sein haben als dass sie nicht mehr in einen Flintenlauf geschoben werden können
  • Fourier-Schütze: haben in der Tat gute Schützen zu sein und sind daher dementsprechend zu schulen oder bei der Rekrutierung bei den Jägern zu suchen sind; sie tragen Herren-Montur und statt der Patronen- eine Kartuschen-Tasche; sie sind nicht zu Lakaiendiensten einzubeziehen; sie haben außerdem ein Kurzgewehr sowie zusätzlich gleichförmige Degen mit steifer Handklinge auszurüsten;
  • Feldwebel erhalten einen gleichförmigen Degen mit steifer Handklinge

 

 

 

 

 

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