Das mittelalterliche Optimum

Als mittelalterliches Optimum bezeichnet man die klimageschichtliche Epoche vom 9. bis ins 14. Jahrhundert, das durch sehr warmes und mildes Klima gekennzeichnet wurde. Ihren Höhepunkt hatte diese Warmzeit in Amerika und Island um 1100 – in England um 1200 bis 1300 n. Chr.  Die Warmkurve begann aber ganzheitlich betrachtet ab 1200 n. Chr. zu fallen. Ab dem 14. Jahrhundert verschlechterte sich das Wetter, bis ab Anfang des 15. Jahrhunderts die „Kleine Eiszeit“ ihren Anfang nahm und ihren Höhepunkt im 17. Jahrhundert fand. Abgelöst wurde dieses Wetter erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch das moderne Optimum. Für uns interessanter ist natürlich die Auswertung der hochmittelalterlichen Verhältnisse, speziell die aus dem 13. Jahrhundert, auf die wir hier näher eingehen wollen.

Autor: Alexander Jäger

Die Chronik von Speyer berichtet hierzu Folgendes: „Vom März bis in den August des Jahres 1259 fiel kaum Regen, es herrschte Überfluss an allen Früchten, namentlich an Wein, dergestalt, dass die leeren Fässer in höherem Wert standen als der Wein selbst.“ Grundlegend ist zu sagen, dass die Durchschnittstemperatur um 0,5 – 1,5° höher war als im 20. Jahrhundert. Weinanbau war, wie durch die Chronik schon angedeutet, nahezu allerorts möglich, nachgewiesener Maßen bis in den Süden Schottlands. In Norwegen wurde Getreide bis an den Polarkreis angebaut, die Polarkappen im Nordatlantik zogen sich nach Norden zurück. Die landwirtschaftliche Nutzgrenze im deutschen Mittelgebirge lag im gegenwärtigen Vergleich 200 m höher, so dass die kulturelle Landschaft Deutschlands im Hochmittelalter ihre größte Ausdehnung erfährt. Der Flächenanteil des Waldes ging indes auf unter 20 % zurück.

Wein im Überfluss und von guter Qualität - das dürfte nicht nur den Mönch erfreut haben. (aus: Li livres dou santé by Aldobrandino of Siena. British Library manuscript Sloane 2435, f. 44v.)

Wein im Überfluss und von guter Qualität – das dürfte nicht nur den Mönch erfreut haben. (aus: Li livres dou santé by Aldobrandino of Siena. British Library manuscript Sloane 2435, f. 44v.)

Frühjahr und Sommer waren warm und trocken und die Gletscher schmolzen weit zurück, wie vergleichbar erst wieder ab dem 20. Jahrhundert. Für die vorindustrielle Gesellschaft jener Zeit stellten diese Bedingungen einen waren Glücksfall dar. Höhere Ernteerträge an Wein und Getreide in Verbindung mit mehr Nutzfläche bedeuteten bessere Bedingungen zum Leben und Überleben. Da harte Winterfröste ebenfalls bis auf ein paar Ausnahmen ausblieben, konnte die Bevölkerung Europas in einem Zeitrahmen von einhundert Jahren von rund 60 Mio. auf 70 Mio. anwachsen. Dies wiederum bedeutete mehr Steuern und Naturalabgaben für die Grundherren. Eine kleine Unregelmäßigkeit muss es dennoch gegeben haben. In einer Aufzeichnung des Klosters Steingaden steht für das Frühjar 1281 n. Chr., dass Schneefall und Kälte bis in den Juli hinein den Menschen das Leben schwer machten.

Ursachen für das Optimum

Es gibt zwei Erklärungsmodelle der Klimalogen für das Optimum. Einige sehen in der ungewöhnlich geringen Vulkanaktivität um jene Epoche die Ursachen. Wenig Vulkanaktivität bedeutet wenige Aerosole in der Atmosphäre, dadurch weniger Reflektion des Sonnenlichts und folglich eine geringere kühlende Wirkung auf den Planeten. Eine andere Theorie verweist auf periodische Schwankungen des Nordatlantikstromes alle 1000 bis 2000 Jahre. Hierbei wäre durch Verdunstung von Wasser im Pazifik der Salzgehalt im Atlantik angestiegen. Dieser Zyklus ist mit Temperaturschwankungen des Meerwassers verbunden, wodurch sich auch die ländlichen Temperaturen ändern können.

Das Ende des Optimums

Im April 1315 n. Chr. begann dann der „unendliche Regen“, der bis Mitte November sämtliche Flüsse über die Ufer treten ließ und das Bild der Landschaft und Vegetation komplett veränderte. In England verzeichnet man Bevölkerungsrückgänge, welche sogar die Rückgänge der Pest übertrafen. Die Besiedelung Grönlands endete mit einer Katastropfe. Die „Kleine Eiszeit“ hielt Europa bis ins 19. Jahrhundert in seinen eisigen Klauen. 1415 n. Chr. muss es eine fünfzehnjährige Warmsommer-Periode gegeben haben, die aber 1430 n. Chr. mit fatalen Folgen zu Ende ging. 1437/38 n. Chr. berichten Chronisten aus dem Alpenvorland von Misswuchs der Ernten durch Regen und Kälte und von großem Elend der Bevölkerung. Brot soll in Nussgröße vekauft worden sein. Nur 1540 und 1473 n. Chr. wagten die Menschen aufzuatmen und zu hoffen. Diese beiden Jahre gelten als die heißesten und trockensten des 15. Jahrhunderts. Doch gab es sonst zu viel Regen, so gab es wohl in diesen beiden Jahren zu wenig davon, so dass die Brunnen versiegten, das Vieh einging und das Obst unreif zu Boden fiel und verfaulte. Von 1570 bis 1630 und von 1675 bis 1715 n. Chr. muss es besonders schlimm gewesen sein. Europa verzeichnete hier seine schlimmsten Hungerwinter. Einige Historiker sehen in diesen Hungerphasen auch Ursachen und Erklärungen für den 30-jährigen Krieg und die zunehmende Hexenverfolgung.

 

Quellen:

Dr. Josef Freisl, Gemeindeseite Habach

Wikipedia: „Mittelalterliches Optimimum“, „Kleine Eiszeit“

Hamburger Bildungs-Server

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