Hygiene und Medizin im 13. Jahrhundert

Ein weit verbreiteter Irrtum ist das Bild vom stinkenden, ungewaschenen, zahnlosen Menschen im Mittelalter, die mit 30 Jahren schon dem Greisenalter nahe sind und an Gicht und eitrigen Zähnen dahinsiechen. Dieses verklärte Bild wollen wir hier ein wenig gerade rücken. Natürlich war die Lebenserwartung nicht so hoch wie heutzutage und natürlich war die Kindersterblichkeit bedeutend höher. Wundstarrkrampf führte noch unweigerlich zum Tod, zu amputierende Extremitäten wurden noch ausgebrannt, was folglich zu Entzündungen und Blutvergiftungen führen konnte. Trotzdem gab es auch auf dem Gebiet der Hygiene und Medizin Entwicklung und Forschung. Wie genau die hygienische und medizinische Entwicklung ausgesehen haben mag, versuchen wir hier zu erläutern. Hierzu wollen wir damit beginnen, wie genau der menschliche Körper in den Köpfen der Medicii des Hochmittelalter ausgesehen haben mag.

Die Humoralpathologie – das Modell der vier Säfte

Die Lehre von den vier Säften des menschlichen Körpers stammt aus der Zeit ungefähr 400 v. Chr. und ist uns in der Schrift der Anhänger Hippokrates‘ „Über die Natur des Menschen“ überliefert. Wobei für das Abendland die Abschrift des griechisch stämmigen Arzt Galenos von Pergamon wohl mehr von Bedeutung waren, welche er in Rom verfasste. Dieses Model besagt, dass der menschliche Körper aus den vier Säften Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim bestand. Waren diese vier Säfte im Ungleichgewicht kam es zu Krankheit und Unwohlsein. Diese Vier Säfte wurden den Elementen, Temperament des Patienten, der Eigenschaft, Entwicklung, dem Geschlecht – ja sogar dem Geschmack nach definiert.

  • Das Blut
    Blut wurde dem Element Luft zugeordnet und entsprach dem Sanguiniker. Es sorgte für heiteres Gemüt und entwickelte sich während der Kindheit. Das Blut selber wurde mehr dem männlichen Geschlecht zugeordnet und hatte in der Vorstellung der damaligen Menschen einen eher süßlichen Geschmack.
  • Die Gelbe Galle
    Gelbe Galle, dem Element Feuer zugeordnet, galt für den Choleriker typisch. Ihr wurde ein kühnes Gemüt zugeschrieben und entwickelte sich dem entsprechend während der Jugend. Die Gelbe Galle war geschlechtsunspezifisch und somit ein Übergangselement. Die Geschmacksnote hierzu war – wie das Erwachsenwerden selber – eher bitter.
  • Die Schwarze Galle
    Das Element Erde, welches sich in der schwarzen Galle wiederspiegelte und dem Melancholiker entsprach hatte in der spirituell geprägten Weltanschauung des mittelalterlichen Menschen eine interessante spirituelle Note. Ganz nach ihrer Eigenschaft, dem trotzigen Gemüt, spiegelte sich nach Ansicht des Klerus hier die Erbsünde der Menschen wieder. Tatsächlich war es die schwarze Galle die – im Erwachsenenalter entwickelt – regelmäßig durch Aderlass ausfließen musste. Bedenkt man die Rolle Evas während des Sündenfalls überrascht es nicht, dass die schwarze Galle dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wurde und einen eher scharfen Geschmack haben sollte. Diese Ansichten brachten ein paar – für uns – erstaunliche medizinische Schlussfolgerungen zustande, aber wir wollen nicht vorgreifen.
  • Der Schleim
    Die eher trägen Eigenschaften des Phlegmatikers wurden dem Schleim zugeschrieben, Element Wasser. Der aufmerksame Leser wird es schon erraten haben, die Entwicklung des vierten Saftes fand zunehmend im Greisenalter statt und galt als ein weiteres Übergangselement mit salzigem Nachgeschmack.

Der fehlende Blutkreislauf

Der Medicus des Mittelalters kannte wohl schon die verschiedenen Gefäße. So weiß man zum Beispiel, dass die Lympfgefäße seit dem 13. Jahrhundert den Ärzten bekannt waren, ihre Aufgabe jedoch im Sinne der Vier-Säfte-Lehre falsch gedeutet wurde. Für den Arzt jener Tage galten alle Gefäße als Einbahnstraße, die lebenswichtige Stoffe zu den Organen und Muskeln transportierten um dort Energie zu liefern. Man ging davon aus, dass das Essen im Magen direkt in Blut verwandelt wurde, welches dann durch die Gefäße in den Körper gelangte und dort verbraucht wurde.

Die Esskultur im Mittelalter

Warum schreiben wir die Esskultur hier in diese Rubrik? Warum findet man diese Zeilen nicht bei der Küche? Diese Fragen mögen jetzt wohl auftreten und die Antwort ist ganz einfach. Weil die Esskultur im Mittelalter – speziel unter Hildegard von Bingen – ein wichtiges Element der damaligen Medizin war. Ausgehend von der Humoralpathologie wurden die Nahrungsmittel in warm – kalt und feucht – trocken unterteilt und spielten eine wichtige Rolle in ihrer Wirkungsweise auf den menschlichen Organismus. Die Reihenfolge der Nahrungszunahme spielte hierbei eine genauso wichtige Rolle wie die Zubereitung oder Zutaten bei diagnostizierter Erkrankung. Auch wurde die Sparte Ernährung zur Vorbeugung von Krankheit verwendet – eine Tatsache von der sich der moderne Mensch ruhig eine Scheibe abschneiden könnte.

Die Zahnhygiene

Ein weiteres Märchen ist das vom zahnlosen, von Karies und Paradonthose geplagten Mensch im Mittelalter. Wir wollen nicht bestreiten, dass es durchaus Schädelfunde mit entsprechenden pathologischen Befund gab – mir selber ist ein Schädel aus Norwegen um das Jahr 800 n. Chr. bekannt, an dem zu erkennen ist, dass der Kiefer durch einen löcherigen und eiternden Zahn vollkommen zerfressen war – trotzdem muss man darauf hinweisen, dass diese Funde sehr selten sind.

Die meisten Gebisse weisen mehr auf Zahnabrieb als auf Karies hin. Dieses Volksleiden im großen Stil kennt der Mensch erst seit es vermehrt Weizenauszugsmehl und Fabrikzucker gibt. Mehl wurde auf Mühlsteinen gemahlen welche selbst ein wenig Steinstaub abrieben. Das, im Vergleich zur heutigen Zeit, eher grobfasrige Mehl in Verbindung mit den kleinen Steinkörnchen sorgte zwar für den Zahnabrieb, reinigte aber auch gleichzeitig die Zähne. Eine Zahnarzt , den ich in diese Diskussion mit einbezog, bestätigte mir, dass dies teilweise bei den Ureinwohnern Australiens heute noch so ist. Diese müssten sich auch keine Gedanken über schmerzende Weisheitszähne machen. Durch den Verschleiß hätten diese spätentwickelten Zähne nämlich genug Platz. Natürlich reichte das alleine nicht aus. Was also taten die Menschen des Hochmittelalters noch gegen die Zahnfäule?

Gegen Mundgeruch kamen aromatische Kräuter oder Hölzchen zum Einsatz. Zum entfernen von Speißeresten nahm man einen Zahnstocher.  Der Sachsenspiegel führt eben jenen ausdrücklich als Erbgut der Frau auf. Solche hygienische Werkzeuge gibt es als Funde – meist in Verbindung mit einem Ohrlöffel. und nicht selten kostbar verziert aus Bein oder Metall. Die Zähne selber wurden mit Lappen aus Wollpuscheln oder Leinensäckchen abgerieben – meist in Verbindung mit Glas- oder Backsteinsplittern und Gesteinsmehl aufgefüllt.

Hildegard von Bingen riet in ihrem Werk „Physica“ dem Leser den Mund mit kalten Wasser auszuspülen und dieses vor dem Ausspucken eine Weile im Mund zu behalten um die Zahnbeläge aufzuweichen. Weitere Gelehrte wie Trota von Salerno oder Gilbertus Anglicus rieten den Mund täglich mit Wein auszuspülen oder täglich Fenchel, Petersilie kauen für den frischen Atem. Ein Mittel für unseren „Lappen“ ist ebenfalls von Trota de Salerno überliefert. So zu sagen der Vorgänger der heutigen Zahncreme. So rät er ein Pulver aus gebranntem Marmorkalk mit gebratenen Dattelkernen, weißem Natron und gemahlenen Ziegel sowie Bimsstein in ein Leinentuch (oder Wollpüschel) zu packen, damit die Zähne abzureiben und verspricht dem Leser seiner Schriften besonders weiße Zähne.

Gilbertus riet zu Kräuterkügelchen bestehend aus Nelken, Muskatnuss, Zimt, Muskatblüte, rotem Sandelholz, Quibibis Kardamom. Diese Zutaten wurden mit dem Saft der Minze gemischt und zu kleinen Kugeln gegen Mundgeruch geformt, welche unter die Zunge gelegt wurden.

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Die Körperhygiene

Anders als oftmals vermutet, wussten die Menschen im Mittelalter sich sehr wohl zu waschen. Die Geschichte vom jährlichen Badetag ist ein Ammenmärchen der Mittelaltermärkte. Ab dem 13. Jahrhundert gab es in allen Städten und wahrscheinlich auch den größeren Dörfern Badestuben. Wer sich diesen hygienischen Luxus nicht leisten konnte überspülte sich mittels eines Wasserkübels zu Hause. An dem Gerücht, dass Badehäuser nicht selten Bordelle waren ist wahrscheinlich sehr viel dran. Es gibt einen Fund einer Badebekleidung für eine Bademagd, allerdings aus dem 14. Jahrhundert. Das Kleid ist nur knielang, aus durchsichtiger Seide und wird mittels dünner Träger an den Schultern gehalten.

Der Aderlass

Die uns wohl geläufigste Heilmethode des Mittelalters ist der Aderlass und tatsächlich war der Aderlass von der Antike bis in das 17. Jahrhundert eine der wichtigsten Behandlungsformen. Aber wie meist vermutet, wurde der Aderlass nicht nur im Krankheitsfall verordnet und angewandt, sondern vor allem vorsorglich von Badern angelegt. Dies beruhte auf der Vorstellung des mittelalterlichen Menschen, dass sich „schlechtes Blut“ in den Gliedern stauen konnte und durch ein Ungleichgewicht der vier Säfte Krankheiten ausgelöst werden konnten.

Außerdem war zu erwarten, dass sich durch die Schlechtigkeit des Menschen Schwarze Galle anstauen konnte. Hildegard von Bingen schrieb über den Aderlass folgendes:

„Wenn bei einem Menschen die Gefäße mit Blut überfüllt sind, müssen sie durch einen Aderlass von dem schädlichen Schleim und den durch die Verdauung gelieferten Fäulnisstoffen gereinigt werden.“

Diese damals als Tatsache begriffenen Vorstellungen machten es nötig, dass man regelmäßig zu einem Arzt oder Bader ging der eine Blutschau abhielt, den Patienten zur Ader ließ und anschließend noch andere medizinische Ratschläge erteile. Abgenommen wurde das Blut mit dem Fliet, einem speziellen Aderlass-Messer, welches erst im 15. Jh. durch den Schnepper abgelöst wurde. Zur praktischen Anwendung hinterließ uns Hildegard von Bingen ebenfalls ein Zeugnis:

„Wird bei einem Menschen das Gefäß angestochen, wird sein Blut wie durch einen plötzlichen Schock erschüttert und was zuerst austritt, ist fauliges, zersetztes Blut, das gleichzeitig mit dem Blut ausfließt. Daher hat das Blut auch zunächst eine Mischfarbe, weil es aus Fäulnis und Blut besteht. Sobald die Fäulnis mit dem Blut ausgeflossen ist, kommt reines Blut, dann muss man sofort mit der Blutentziehung aufhören. Denn ein Aderlass, der über das Maß hinaus vorgenommen wird, schwächt den Körper geradeso, wie ein Regenguss, der ohne Maß auf die Erde fällt, diese schädigt.“

Die Durchführung

 

Wichtig war für die Ärzte des Mittelalters sowohl der Zeitpunkt des Aderlasses, ein nüchterner Magen, die Vene nach Befund und das Verhalten danach. So riet Hildegard von Bingen in ihren Schriften den Patienten „… bei abnehmenden Monde zur Ader lassen, am ersten Tag, wenn der Mond anfängt abzunehmen, oder am zweiten, dritten, vierten, fünften oder sechsten Tage und dann nicht mehr, weil ein früherer oder späterer Aderlass nicht soviel Nutzen bringen wird. Nicht aderlassen soll man bei zunehmendem Mond, weil solcher Aderlass schädlich ist, da jetzt die mit dem Blut vermischte faulige Flüssigkeit sich nicht leicht von ihm scheiden kann.

Bei wachsendem Mond fließen nämlich Blut und zersetzte Flüssigkeit gleichzeitig wie in gegenseitig richtiger Menge im Menschen und lassen sich nicht leicht voneinander trennen. Es ist so wie bei einem Strom, der, mit mäßiger Geschwindigkeit in seinem Bette fließend, diese seine Art beibehält. Nimmt aber der Mond ab, dann fängt das Blut mehr an, aufgeregt zu werden und sein Bett zu verlassen, lässt auch zuviel faulige Flüssigkeit ausfließen, wie es bei einer großen Überschwemmung der Fall ist, die das Verfaulte in ihr sichtbar macht un den Schaum aus sich auswirft.“

Es galt ein absolutes Nüchternheitsgebot für den Patienten. „Will also ein Mensch eine Ader zur Verminderung des Blutes anschneiden, so soll er dies nüchtern tun, denn solange der Mensch nüchtern ist, sind die in ihm vorhandenen Säfte noch einigermaßen vom Blut getrennt, und das Blut fließt dann im Menschen in rechter Weise und nicht zu rasch wie ein Bach, der in seinem Bette, frei von jeder Bewegung durch Wind und Wetter, richtig und ordentlich dahinfließt.

Hat aber ein Mensch Speise zu sich genommen, dann beginnt das Blut in ihm etwas stärker zu strömen; die Säfte vermischen sich so mehr mit ihm, und beide können dann nicht mehr leicht voneinander geschieden werden. Daher also soll der Aderlass vorgenommen werden, wenn der Mensch nüchtern ist, damit die vom Blut getrennten Säfte um so leichter ausfließen können. Eine Ausnahme findet nur statt, wenn ein Mensch sehr hinfällig und schwach ist. Er kann vor dem Anschneiden der Ader etwas Nahrung zu sich nehmen, damit er nicht ohnmächtig wird.“

Man unterschied beim Aderlass am Arm drei Adern. Die Kopfader, die Leberader und die Mittelader. Das es sich hierbei eigentlich um Venen handelte war den Ärzten jener Zeit noch nicht bekannt. Man kannte zwar schon die Blut- und Lymphgefäße – wusste aber noch nichts von einem Kreislauf des Blutes.

Überliefert ist uns folgende Aussage: „Man muss wissen, dass in der Kopfader mehr Säfte fließen als in der Mittelader und der Leberader. Daher ist es gesünder, wenn die Blutziehung öfter an der Kopfader vorgenommen wird. Denn wer viel Phlegma im Kopf und in der Brust hat oder wem der Kopf brummt, so dass sein Gehör manchmal verloren geht, soll den Aderlass an der Kopfader vornehmen … Wer ein trauriges Herz oder ein bedrücktes Gemüt hat und Lungen- und Seitenschmerzen, soll den Aderlass an der Mittelader vornehmen … Leidet aber jemand an Leber oder Milz oder hat jemand Atembeschwerden in Hals und Kehle oder Sehkraftverlust der Augen, so muss der Aderlass an der Leberader durchgeführt werden …“

Wichtig war nun noch das Verhalten nach dem Aderlass. „Nach dem Aderlass muss sich der Mensch drei Tage lang vor den Strahlen des hellen Lichtes der Sonne wie auch vor dem Scheine des brennenden Feuers in acht nehmen, weil während dieser drei Tage das Blut im Menschen durch diese Helligkeit erschüttert wird und bebt und häufig dem Herzen Schaden bringt. …

Das gemäßigte Tageslicht schadet, wenn es ohne zu viel Sonnenstrahlung ist, dem zur Ader Gelassenen nicht. Zu jeder Zeit aber und namentlich beim Aderlass siedet das Blut in der Umgebung der Augen des Menschen infolge der Sonnenhitze wie auch der Hitze des Feuers, die zarte Haut, das heißt die Membran, welche die Augen zusammenhält, trocknet aus und führt so zu Schwachsichtigkeit.

Nach einem Aderlass soll man aber ungewohnte Speisen, gebratenes Fleisch wie auch solche , die einen besonderen Saft enthalten, rohes Obst und rohes Gemüse nicht essen, weil diese dann in den Gefäßen den Schleim mehr wie das Blut vermehren würden. Auch darf man keinen starken Wein trinken, weil dieser das Blut erregen und den Menschen leicht besinnungslos machen würde. Angemessene Speise oder ein oder zwei Gerichte mag man zu sich nehmen, so dass man ordentlich satt wird. wie auch einen leichten, reinen Wein trinken. Dies soll man zwei Tage lang tun, weil das verdünnte Blut so lange noch in Erregung sich befindet.

Am dritten Tage aber hat das Blut seine Vollkraft wiedergewonnen und ergießt sich an seine Orte. Käse aber soll man nach einer Blutentziehung vermeiden, weil dieser dem Blute Schleim liefert und kein richtiges und reines Blut erzeugt, sondern dies mit einem krankhaften Fettgehalt durchsetzt. Wer aber viel Blut hat und völlig gefüllte Gefäße und sein Blut nicht durch Aderlass oder Schröpfen reinigt, dessen Blut wird etwas wachsig und unkräftig werden, und so verfällt der Mensch in Krankheit.“

Der Aderlass beim Mann

Hildegard von Bingen machte in ihren Schriften genaue Angaben über die Menge an Blut die während eines Aderlasses fließen sollten. So schreibt sie:

„In besonderen Fällen kann bei den Männern schon im 12. Lebensjahr der Aderlass durchgeführt werden … jedoch nicht mehr, als die beiden Schalen einer Nuss fassen (ca. 20ml). Vom 12. bis 15. Lebensjahr soll der Aderlass nur einmal jährlich durchgeführt werden … Vom 15. Jahre ab nehme man so viel Blut wie ein durstiger Mann in einem Zuge trinken kann … Kein Mensch, sei es Mann oder Frau, soll einen Aderlass machen, solange er in seiner Entwicklung an Größe und Körpergewicht zunimmt, weil er den Menschen körperlich schwächen würde …

Nach dem 20. Lebensjahr kann er wegen irgendeiner Krankheit zur Ader gelassen werde, aber nur wenig. Wenn er körperlich gesund ist, soll er noch keinen Aderlass machen, sondern schröpfen oder brennen lassen (beim Brennen ist hier die Rede von Moxibustion durch Brennkegel), weil seine Blutgefäße und das Blut noch nicht voll entwickelt sind. Hat er aber das reife Alter von 30 Jahren erreicht, kann er, ob krank oder gesund, nach Belieben Aderlass durchführen … bis zum 50. Lebensjahr ..

Nach dem 50. Lebensjahr, wenn Blut und Phlegma beim Manne abnehmen und der Körper auszutrocknen beginnt, soll nur einmal im Jahr zur Ader gelassen werden, und zwar nur zur Hälfte wie gewöhnlich bis zum 80. Lebensjahr.“

Der Aderlass bei der Frau

 

Ganz im Sinne der Vorstellung des Sündenfalls Evas und der Erbschuld der Frau beschreibt Hildegard von Bingen den Aderlass der Frau wie folgt:

[weil] „die Frau in ihrem Körper viel mehr schädliche Säfte und krankmachende Fäulnisstoffe besitzt als der Mann. Daher soll die Frau vom 12. Lebensjahr an nach den gleichen Regeln zur Ader lassen wie der Mann, aber bis zum 100. Lebensjahr, weil wegen der schädlichen Säfte und zersetzenden Stoffe für sie eine größere Notwendigkeit besteht als beim Mann, wofür schon die monatliche Regelblutung spricht. Würde die Frau nicht von den schädlichen Säften und verdorbenen Fäulnisstoffen gereinigt, würde sie am ganzen Körper anschwellen und sich aufblähen und nicht leben können.“

Die Frauen jener Epoche mussten also nicht nur damit abfinden, dass sie durch Evas Sündenfall eine Schuld bis in alle Ewigkeit mit sich herumtrugen, sondern sich auch noch von den Gelehrten ihrer Zeit sagen lassen, dass sie dankbar für die Gnade Gottes sein sollten, der in seiner weisen Voraussicht die Monatsblutung ihren sündigen Körper reinigen ließ.

Autor: Alexander Jäger
Quellen:
http://www.wikipedia.de/Humoralpathologie, Aderlass
Die große Heilkunde der Hildegard von Bingen – Weltbild Buch 1: Die Ernährungstherapie der Hildegard von Bingen, Buch 3: Hildegardheilkunde von A – Z
http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?15199
http://stadtzeitung.luebeck.de/artikelarchiv/2001/200/2000302.html
Unterricht: Manuelle Lymphdrainage, Döpfer-Schulen

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